Willkommen auf meinem literarischen Notizblog

Manche Gedanken reichen (noch) nicht für eine ganze Geschichte.
Aber sie verdienen Raum. Hier schreibe ich auf, was zwischen den Zeilen geschieht: Begegnungen, innere Monologe, Fundstücke aus dem Alltag – ungeschliffen, ehrlich, manchmal leise.                        

9. März 2026

Ein Brief von meinem früheren Ich

Kennt ihr das? Man kramt in alten Erinnerungsboxen, findet Bücher, Karten oder kleine Zettel aus längst vergangenen Zeiten. Früher hatten wir auch diese Freundschaftsbücher, in die sich Freunde und Schulkameraden eingeschrieben haben. Ich hatte außerdem ein Poesiealbum.

Beim Durchblättern fiel mir ein Eintrag ins Auge. Ich las ihn zweimal. Dann ein drittes Mal. Und plötzlich fragte ich mich: Habe ich das wirklich selbst geschrieben?

Ich war nicht nur überrascht – sondern auch ein wenig stolz. Mein früheres Ich hatte offenbar schon etwas drauf. Manchmal liest man alte Tagebuchseiten wie Briefe von jemandem, den man einmal sehr gut kannte – und der einem doch ein bisschen fremd geworden ist.

Also habe ich mir mein damaliges Ich einfach einmal vorgestellt. Wie sie wohl vor mir sitzt, mit dem Stift in der Hand, vielleicht ein bisschen verträumt, vielleicht voller Gedanken.

„Sag mal“, würde ich sie fragen, „woher hattest du diesen Satz?“ Sie zuckt wahrscheinlich mit den Schultern. „Keine Ahnung. Der war einfach da.“ „Wusstest du damals schon, was du da schreibst?“ Vielleicht würde sie lachen. „Nicht wirklich. Ich habe es einfach gefühlt.“

Und dann würde ich sie noch etwas fragen. „Wer war das eigentlich? Der Mensch, der dir den Mut gegeben hat, hinauszugehen?“

Vielleicht würde sie kurz nachdenken und ein Lächeln würde über ihr Gesicht huschen. Vielleicht würde sie an diesen einen Lehrer denken, der mehr in ihr sah als sie selbst, oder an die erste, große Freundschaft, die sich anfühlte wie ein Schutzschild gegen den Rest der Welt.

Oder sie würde nur leise sagen: „Jemand, der damals mein ganzer Anker war.“

Und ich merke plötzlich: Manche Antworten bleiben in der Vergangenheit. Aber die Gedanken, die daraus entstanden sind, begleiten uns manchmal ein ganzes Leben lang. Vielleicht ist ein Tagebuch genau dafür da. Damit unser früheres Ich uns irgendwann einen Gedanken zurückgeben kann, den wir längst vergessen hatten.

Heute fließen Gedanken aufs Papier. Und Jahre später erkennt man plötzlich: Der Mensch von damals hat etwas verstanden, was man heute vielleicht fast vergessen hätte. Und manchmal schenkt uns unser früheres Ich einen Satz zurück.

Jetzt seid ihr dran!

Habt ihr schon einmal in alten Notizen, Poesiealben oder Tagebüchern etwas entdeckt und euch ungläubig gefragt: „Habe ich das wirklich selbst geschrieben?“ Welcher Satz von eurem früheren Ich hat euch heute am meisten überrascht? Schreibt es mir gerne in die Kommentare – ich bin wahnsinnig gespannt auf eure Fundstücke!

Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur –
deine Schreibfeder aus Thüringen.

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