9. März 2026
Gelassenheit vs. Vorsorge – ein Tanz um ungelegte Eier
Manchmal braucht es nur ein kurzes Durchatmen, bevor der Alltag wieder Struktur verlangt. Dann frage ich mich, warum manche Menschen selbst an den schönsten Tagen noch etwas finden, worüber sie sich beschweren können.
Mein Mann und ich sind uns eigentlich sehr ähnlich – und dann doch wieder nicht.
Er ist eher dieser gechillte Typ, der sich keine Gedanken um ungelegte Eier macht, wie er immer so schön sagt. Warum auch? Das kostet nur Nerven und bringt sowieso nichts, solange man nicht weiß, was auf einen zukommt.
Ich dagegen bin eher ein Mensch, der sich frühzeitig Gedanken macht, auch wenn vielleicht noch gar nichts passiert ist. Was ich allerdings nicht bin, ist ein Schwarzmaler. Und nein – damit meine ich keinen Maler, der schwarz sein Geld verdient, sondern jemanden, der grundsätzlich alles negativ sieht.
Ihr wisst schon, was ich meine.
Die Sonne geht auf, es ist ein wirklich schöner Tag und jemand sagt:
„Meine Güte, war das kalt heute früh.“
Oder noch besser:
„Also die Sonne blendet mich heute wieder.“
Für solche Menschen ist die Welt nur schwarz oder weiß. Sie sind ständig am Nörgeln. Sie haben im Laden ein tolles Angebot ergattert – statt sich darüber zu freuen, beschweren sie sich darüber, wie lange sie an der Kasse stehen mussten.
Am schlimmsten sind für mich allerdings die, die sofort „Doktor Google“ befragen. Ein Ziehen in der Brust, ein Pfeifen im Ohr – und fünf Minuten später sind sie überzeugt, dass es mindestens etwas Lebensbedrohliches sein muss.
Und kaum hat man ihnen zugehört, kommt auch schon der nächste Satz:
„Mein Onkel hatte das auch mal …“
Oder:
„Meine Tante hatte genau das Gleiche. Da hat es auch so angefangen, und dann ist noch dies und jenes passiert.“
Spätestens an dieser Stelle weiß man eigentlich schon, dass die Geschichte kein gutes Ende nimmt.
Ich frage mich dann immer: Muss das wirklich sein?
Natürlich ist es sinnvoll, aufmerksam auf seinen Körper zu hören. Und natürlich kann es auch beruhigend sein, Erfahrungen auszutauschen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns mit all den möglichen Diagnosen und Horrorgeschichten nur noch mehr verrückt machen.
Vielleicht hat mein Mann also gar nicht so unrecht.
Manche Dinge kann man eben erst beurteilen, wenn sie tatsächlich da sind. Und bis dahin darf man sich ruhig auch einfach mal über einen schönen Tag freuen – selbst wenn die Sonne ein bisschen blendet.
Heute Morgen zum Beispiel stand ich am Fenster und schaute in den Himmel.
Der Himmel spannte sich über die Landschaft wie eine ungeduldige Frage, auf die niemand eine Antwort geben wollte. Ein Schleier aus grau-weißem Dunst legte sich über das verblassende Blau, als versuchte das Licht, sich gegen die Schwere des Morgens zu behaupten. Die Wolken, zerzaust und ausgefranst, wirkten wie Gedankenfetzen – ungeordnet, unfertig und doch voller Bedeutung.
Am Rand des Blickfeldes, dort, wo sich die dunklen Silhouetten der Bäume in den Himmel schnitten, schien die Zeit einen Moment lang stillzustehen. Hohe Nadelbäume reckten sich wie schweigende Wächter in die Höhe, während die alte Eiche mit ihren knorrigen Zweigen wirkte, als hätte sie längst verstanden, dass dieser Tag seine Geheimnisse noch nicht preisgeben würde.
Es war kein Himmel, der Trost versprach. Eher einer, der Fragen stellte.
Und während ich so dastand, musste ich plötzlich wieder an die ungelegten Eier meines Mannes denken.
Vielleicht hat er ja recht.
Manche Dinge klären sich von ganz allein – wenn man ihnen einfach ein bisschen Zeit lässt.
Und ehrlich gesagt: Ich hätte mich ja auch über die kühle Morgenluft beschweren können.
Stattdessen habe ich einfach in den Himmel geschaut.
Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur –
deine Schreibfeder aus Thüringen.

