5. März 2026
Warum ich schreibe
Ich habe einen überdurchschnittlich artikulierten und wortlastigen Job, der mich fordert. Er erfüllt mich auch – verlangt aber manchmal mehr Zeit von mir, als ich eigentlich bereit bin zu geben.
Im Schreiben finde ich den Ausgleich. Die Stille. Figuren laden mich ein, sie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten. Hier lerne ich Menschen kennen, die mir im realen Leben vielleicht nie begegnet wären. Dann kommt der Flow, der mich einlädt zu bleiben – und der Fokus, der den Raum dafür schafft.
Früher, wenn ich gefragt wurde, warum ich schreibe, habe ich oft geantwortet: Was sollte ich denn sonst tun?
Klar, ich könnte stricken oder töpfern. Aber mal ehrlich: Wie viele Mützen oder Schalen braucht ein Mensch? Geschichten hingegen kann es nie genug geben. Sie erklären uns die Welt aus immer neuen Perspektiven.
Also begann ich, das Handwerkszeug zu lernen. Denn schreiben kann grundsätzlich jeder – wenn er es wirklich will.
Eigentlich wollte ich auf diese Frage immer klug antworten können: „Um es mit den Worten von Ernest Hemingway zu sagen …“
Nur wusste ich lange gar nicht, was er gesagt hat.
Und heute?
Um es mit den Worten von Raymond Carver zu sagen:
„Ich höre mein Herz schlagen. Ich höre die Herzen der anderen. Ich höre das Menschengeräusch, das wir machen, während wir dasitzen, ohne dass sich einer von uns rührt, auch nicht, als der Raum dunkel wird.“
So fühlt sich Schreiben für mich an.
Es ist der Moment, in dem alles still wird – und gleichzeitig alles hörbar.
Und genau deshalb schreibe ich.
Weil ich mir ein Leben ohne diese Stimmen, diese Geschichten und diesen stillen Raum nicht mehr vorstellen kann.
Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur –
deine Schreibfeder aus Thüringen.

