5. März 2026
Warum nicht jeder meine Geschichten lieben muss ✨
„Es ist kein Mensch auf dieser Welt, um die Erwartungen eines anderen Menschen zu erfüllen.“
Diesen Satz habe ich vor einiger Zeit auf einen Zettel geschrieben und erst kürzlich wiedergefunden. Ein kluger Gedanke, dachte ich damals – und eigentlich denke ich das noch immer.
Denn wenn man ehrlich ist, tragen wir im Alltag eine ganze Menge Erwartungen mit uns herum. Im Beruf erwarten wir Zuverlässigkeit, im Zusammenleben Rücksicht, im Freundeskreis Ehrlichkeit. Ganz ohne Erwartungen würde unser Zusammenleben vermutlich ziemlich schnell im Chaos enden.
Und doch steckt in diesem Satz etwas Wichtiges: Niemand lebt ausschließlich dafür, die Vorstellungen anderer zu erfüllen. Jeder Mensch hat sein eigenes Leben, seine eigenen Wege und manchmal auch seine eigenen Umwege.
Als ich mit dem Schreiben begann, hatte ich allerdings eine ganz klare Erwartung: Mein Mann müsste lieben, was ich schreibe. Schließlich war ich begeistert von meinen Geschichten – also müsste er es doch auch sein, oder?
Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass diese Erwartung schlicht falsch war. Nicht, weil er mich nicht unterstützt, sondern weil er gar nicht zu der Zielgruppe gehört, für die ich schreibe.
Also muss ich wohl akzeptieren, dass er gelegentlich die Augenbrauen hochzieht oder einen eher wenig begeisterten Kommentar abgibt, wenn ich ihm von meinen Geschichten oder meiner Arbeit als Autorin erzähle. Manchmal gehört das vermutlich einfach dazu.
Interessanterweise dachte ich beim Wiederlesen des ersten Satzes sofort an einen anderen Spruch, den ich einmal in einem Kalender gefunden habe:
„Für wahre Freunde gehe ich durch die Hölle – anderen zeige ich den Weg dorthin.“
Er ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint, aber er enthält ebenfalls eine Wahrheit: Für manche Menschen tun wir Dinge, die weit über jede Erwartung hinausgehen.
Vielleicht liegt genau darin der Unterschied.
Erwartungen verpflichten.
Freundschaft dagegen ist freiwillig.
Und vielleicht ist das der schönste Gedanke daran: Niemand ist auf dieser Welt, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Aber manche Menschen entscheiden sich trotzdem, ein Stück des Weges mit uns zu gehen.
Und wer weiß – vielleicht gehört mein Mann ja irgendwann doch noch zu meiner Zielgruppe.
Bis dahin muss er wohl damit leben, dass ich weiter schreibe. Und ich damit, dass er dabei gelegentlich die Augenbrauen hebt.
Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur –
deine Schreibfeder aus Thüringen.

