Bruno die Gemüsewolke
Ganz weit weg, hinter dem Regenbogen, liegt der Wolkengarten. Dort sind die Wolken nicht nur weiß, sondern manchmal auch grün. Eine dieser knubbeligen, fluffigen und leuchtend grünen Wolken hieß Bruno Brokkoli. Und er hatte einen großen Traum: Er wollte einmal zu den Kindern auf die Erde reisen, um ihnen seine Superkraft zu zeigen.
Gerade als er sich im Spiegel betrachtete, hörte er die Sonnenfee rufen:
„Bruno, heute ist dein großer Tag! Die Kinder auf der Erde essen gleich Mittag. Vielleicht wartet dort ein mutiges Kind auf dich!“
Bruno hüpfte vor Freude. Endlich, eine Mission! Mit einem leisen Wusch! sauste er hinunter und landete mitten in einem Kindergarten – genau in der Küche, auf einem Essenwagen zwischen Tellern, Löffeln und… Brokkoli!
Als die Erzieherin den Essenwagen in die Gruppe fuhr und den Deckel der Gemüseschüssel öffnete, hörte Bruno die Kinder rufen:
„Brokkoli? Iiiiih!“
„Das ess ich nicht!“
„Das sieht aus wie ein kleiner Baum!“
„Ein Baum? Nein, nein!“ Bruno grinste. „Ich bin Bruno Brokkoli, der stärkste Wolkenheld im ganzen Wolkengarten! Wisst ihr, was ich kann?“
Er kullerte vorsichtig in den Gruppenraum. Die Erzieher staunten. Die Kinder staunten noch mehr.
Alle schüttelten ihre Köpfe.
Bruno blähte sich stolz auf. „Wenn man einen ganz kleinen Bissen Brokkoli probiert – wirklich nur ein Mini-Mut-Bisschen –, bekommt man für ein Spiel lang Superwolkenkraft-Beine! Damit kann man höher hüpfen, schneller rennen und länger klettern.“
Die Kinder rissen die Augen weit auf.
„Ist das wahr?“, fragte ein Junge.
„Probier’s aus!“, zwinkerte Bruno.
Ein Mädchen hob mutig ihren Löffel. Ganz wenig Brokkoli. Ein Minibiss.
Plötzlich – Wusch! – leuchteten ihre Schuhe ganz grün. Sie sprang auf.
„Whoa! Ich kann ja voll hochhüpfen!“
Die anderen Kinder staunten. Das Mädchen hopste einmal, zweimal, dreimal – viel höher als sonst.
Ein Junge probierte auch. Und wieder: Wusch!
„Ich bin soooo schnell!“, rief er und rannte um den Tisch.
Nach und nach trauten sich alle. Manche nahmen ein Krümelchen, manche einen ganzen Löffel. Und jedes Mal gab es ein kleines Wusch! und ein großes Staunen.
Bruno wölbte sich stolz.
„Seht ihr? Man muss nur mutig probieren. Einen kleinen Biss. Mehr nicht.“
Dann wurde er langsam leichter, fast durchsichtig.
„Ich muss zurück in den Wolkengarten“, sagte er. „Wenn ihr morgen wieder probiert – nur ein bisschen! –, komme ich vielleicht wieder.“
Die Kinder winkten.
„Tschüss, Bruno!“
Bruno Brokkoli schwebte zur Tür hinaus und wisperte:
„Mutige Kinder sind die stärksten auf der Welt.“
Und seit diesem Tag sagen die Kinder im Kindergarten manchmal leise:
„Ich nehm’ wenigstens einen Bissen – für das Wusch!“
Tomaten Anton
Im Kindergarten „Sonnenschein“ gab es einen kleinen Gemüsegarten. Dort lebte Tomaten-Anton, eine knallrote, runde Tomate mit einem grünen Krönchen auf dem Kopf. Jeden Morgen wackelte er fröhlich an seinem Stiel und rief:
„Guten Morgen, ihr Kinder! Heute wird’s lecker!“
Die Kinder mochten Tomaten Anton, denn er war immer gut gelaunt. Nur essen wollten sie ihn nicht so gern – schließlich war er ihr Freund.
Eines Tages sprang Tomaten Anton auf ein großes Blatt, rutschte hinunter und plumpste direkt vor die Kinder.
„Ich möchte euch jemanden vorstellen!“, rief er geheimnisvoll und zeigte mit seinem grünen Krönchen in den Garten. „Das sind meine Freunde: Klara Kirschtomate, Max Mini-Tomate und Bruno Beeren-Tomate.“
Drei kleine Tomaten kullerten hervor und winkten schüchtern.
Tomaten Anton erklärte: „Meine Freunde haben ein Superhelden-Team in sich!“
Die Kinder machten große Augen.
„In denen? Ein Superhelden-Team?“
Tomaten Anton nickte stolz.
„Oh ja! In Klara Kirschtomate steckt Vitamin C – das macht euch fit wie ein Wirbelwind. Und Vitamin A, damit ihr Adleraugen bekommt. Und ihr rotes Zauberpulver heißt Ly–ko–pin – das schützt euch wie ein unsichtbarer Mantel!“
Die Kinder staunten.
„Und du?“, fragte Leo. „Hast du das auch?“
Da hüpfte Anton ein kleines Stück auf und schlug einen Purzelbaum.
Er nickte stolz.
„Natürlich! Aber ich werde euer Trainer. Ich muss euch die Superkräfte zeigen – ich werde nicht gegessen.“
Klara Kirschtomate hüpfte nach vorn.
„Wenn ihr uns probiert, bekommt ihr Wirbelwind-Energie – damit könnt ihr länger spielen und toben!“
Max Mini-Tomate rollte vor Freude im Kreis.
„Und höher springen!“
Bruno Beeren-Tomate plusterte sich auf.
„Und besser sehen – sogar bis zur Schaukel!“
Die Kinder kicherten.
Da traute sich zuerst die kleine Mia. Sie nahm Klara Kirschtomate vorsichtig in die Hand.
„Du riechst gut“, sagte sie.
„Ich schmecke noch besser!“, kicherte Klara.
Mia biss hinein – knacks! – und ihre Augen wurden groß.
„Die ist ja süß! Und saftig!“
Nach und nach probierten alle Kinder die Freunde von Tomaten Anton:
Mini-Matze, Kullerkarl, Susi-Sonnentomate und Rolli-Rot.
Alle schmeckten anders – aber alle lecker.
Tomaten Anton lachte.
„Ihr habt es geschafft! Meine Freunde sind jetzt echte Superhelden – und ihr auch!“
Seit diesem Tag freuten sich die Kinder jeden Morgen auf ein neues Abenteuer mit Tomaten Anton. Und im Kindergarten „Sonnenschein“ wurden seine Tomatenfreunde das liebste Gartengemüse.
Anton blieb natürlich unversehrt und passte darauf auf, dass seine Freunde weiterhin für viele Superkräfte sorgten.


