Wenn Blüten fallen

Also ganz ehrlich?
Ich hatte was Besseres vor, als zu sterben.

Zum Beispiel endlich wieder richtig Fußball spielen. Mit meinem besten Freund die nächste Stufe im Pokémon Go erreichen.
Oder mit Jonas im Baumhaus rumhängen.
Oder einfach mal nicht ins Krankenhaus müssen, wo alles nach Desinfektionsmittel riecht und Erwachsene so tun, als wäre Flüstern leiser als Angst.

Und jetzt sitze ich hier.
Nicht mehr ganz da. Aber auch nicht weg.

Ich sehe meine Mama, die versucht, alles richtig zu machen – sogar mein Sterben.
Ich sehe Paps, der stark sein will und dabei immer stiller wird.
Und ich sehe Jonas. Meinen großen Bruder. Der so tut, als wäre ihm alles egal. Ist es aber nicht.

„Wenn Blüten fallen“ ist meine Geschichte.
Nicht darüber, wie ich gegangen bin – sondern darüber, wie sie bleiben müssen.
Über Schuld, Wut, Liebe. Und darüber, dass man vielleicht nicht ganz verschwindet, nur weil das Herz aufhört zu schlagen.

Ich bin Florian.
Und ich bin noch da.

 

Meine Familie

Also … meine Familie ist eigentlich ganz cool. Nur ein bisschen verrückt manchmal. Aber wahrscheinlich sind alle Familien so.

Meine Mama

Mama ist die, die alles im Griff haben will. Listen, Pläne, Termine – die weiß sogar, wann der Joghurt im Kühlschrank abläuft. Manchmal nervt das echt. Aber wenn irgendwas schiefgeht, ist sie auch die Erste, die sofort weiß, was zu tun ist. Und irgendwie fühlt sich alles sicherer an, wenn sie in der Nähe ist. Auch wenn sie mich manchmal behandelt, als wäre ich aus Glas.

 

Jonas hat mal zu Mama gesagt, dass sie immer schon losläuft, bevor jemand fällt. Klick auf ihr Bild und Du erfährst die ganze Geschichte. Ich fands cool, dass er sich das getraut hat..

Mein Paps

Paps ist eher der entspannte Typ. Der sagt bei den meisten Sachen erstmal: „Wird schon.“ Mit ihm kann man bauen, reparieren oder einfach Blödsinn reden. Wenn Mama sich Sorgen macht, tut er so, als wär alles halb so wild. Aber ich glaube, innerlich macht er sich genauso Gedanken – er zeigt’s nur nicht so.

Mein Bruder

Jonas ist mein Held, mein großer Bruder. Er versucht immer cool zu sein, aber ganz ehrlich? Isser nicht :-) Er hat mir mit Paps ein Baumhaus gebaut. Eigentlich hat das Ding Paps mit mir gebaut, da war ich sechs. Naja, „mit mir“ ist übertrieben. Paps hat die ganze Zeit gemessen und geflucht, ich hab Nägel gehalten und im Weg gestanden – und Jonas? Der war damals zwölf, schon „zu cool für Kinderkram“, hat aber trotzdem Bretter hochgeschleppt, ein Foto mit Mamas Handy gemacht und am Ende so getan, als wär’s sein Projekt. Typisch Jonas: immer so tun, als wär er zu alt, aber bloß nichts verpassen.

Ohne ihn und Paps wär das Ding nie fertig geworden. Und für mich ist es sowieso mehr als nur ein Haufen Holz. Da hab ich gelesen, gezeichnet, gechillt. Sogar mit Jonas mal Chips und Cola geschlabbert – und wenn er fünf Minuten nicht den Coolen raushängen ließ, hat er auch gecheckt, wie genial es da oben ist.

Tja und Ich

Aus Respekt, gibt es hier kein Bild von mir, auch kein KI generiertes :-)

Ich sammle Steine. Keine Ahnung warum. Ich finde sie einfach cool. Manche sehen aus wie kleine Planeten, andere wie irgendwas aus einem Dinosaurierfilm.

Außerdem mag ich Fledermäuse. Die meisten Leute finden die gruselig, aber eigentlich sind sie ziemlich genial. Die fliegen nachts rum, hängen kopfüber und lassen sich von niemandem sagen, wie sie zu leben haben.

Und wir wohnen im Falterweg in Erfurt-Marbach. Klingt erstmal nach einer Adresse aus irgendeinem langweiligen Navi, aber eigentlich ist’s gar nicht so übel.

Die Straße ist klein und irgendwie so … brav. Links und rechts Häuser, alle hell gestrichen, als hätten alle im Baumarkt denselben Sonderangebots-Eimer gekauft: weiß, beige, vielleicht mal ein mutiges Vanillegelb. Sieht halt so aus, als hätten alle Angst, aus der Reihe zu tanzen.

Und dann unser Haus. Cremefarben, rotes Dach – ziemlich normal. Aber der Kirschbaum davor ist der Hammer. Wenn er blüht, sieht’s aus, als hätte einer Konfetti reingeschmissen. Mama kriegt jedes Mal die Krise, wenn die Blüten ins Haus wehen. Mir egal – sieht geil aus.

Hinten im Garten steht die alte Eiche.
Und darin mein Baumhaus.

Auf der Terrasse läuft dagegen eher der „Familien-Katalog“: Markise mit Streifen, bunte Blumen in Töpfen, ein Tisch für sechs und Paps Grill, auf den er mega stolz ist. Wenn er den anmacht, riecht’s durchs halbe Viertel nach Würstchen, und die Nachbarn glotzen rüber, als wollten sie sich selbst einladen.

Aber ganz ehrlich: Das Beste hier ist nicht der Grill und auch nicht der perfekte Vorgarten.

Sondern mein Baumhaus.
Und das bleibt auch so – egal, was Jonas sagt.

Alle Texte auf dieser Seite unterliegen dem Urheberrecht.
© 2026 schreibfeder-thueringen.de Alle Rechte bleiben bei mir.
Bitte kopiere sie nicht, verbreite sie nicht weiter und gib sie nicht als deine eigenen aus – weder im Netz noch auf Papier.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.