
38 Grad in der Schreibstube – und Pete wartet im Spiegel
Erstmals im Schreibfeder-Kanal veröffentlicht am 18. August 2026.
Hallo aus meiner Schreibstube,
endlich konnte ich wieder durchatmen.
In der vergangenen Woche war mein Mann die ganze Zeit zu Hause und brachte meinen gewohnten Tagesablauf ein wenig durcheinander.
Nicht seine Schuld – schließlich war ich diejenige, die in seinen Arbeitsbereich eingedrungen war. 😉
Wenn die Schreibstube zur Sauna wird
Meine Schreibstube liegt direkt unter dem Dach. Bei 38 Grad Außentemperatur war es dort kaum noch auszuhalten.
Da ich keinen Wüstenroman schreiben wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als mit meinem Laptop an den Schreibtisch neben meinem Mann auszuweichen.
Eigentlich kein Problem.
Zumindest theoretisch.
Wenn man allerdings wie ich den ersten Wecker auf 4.00 Uhr und den zweiten auf 4.30 Uhr stellt, um spätestens um 5.00 Uhr am Schreibtisch zu sitzen, hat das einen Grund:
Die Welt schläft noch.
Niemand möchte etwas von mir. Das Telefon schweigt, vor dem Fenster ist es ruhig und selbst die Katzen überlegen noch, ob sich das Aufstehen schon lohnt.
Diese frühen Stunden gehören nur mir und meinen Geschichten.
Wenn dann kurze Zeit später jemand aufsteht, sich direkt neben mich setzt und ebenfalls seinen Tag beginnt, stört das die Kreativität doch ein kleines bisschen. 😉
Es braucht dafür nicht einmal ein Gespräch.
Manchmal reicht schon das Wissen, dass dort jemand sitzt. Vielleicht bewegt er sich. Vielleicht raschelt etwas. Vielleicht atmet er sogar.
Eine Unverschämtheit. 😂
Zurück an meinem eigenen Schreibtisch
An diesem Morgen waren es draußen gerade einmal 14 Grad.
Ich konnte endlich wieder in meine Schreibstube zurückkehren, meinen Kaffee neben mich stellen und in aller Ruhe schreiben.
Und das wurde auch höchste Zeit.
Denn tatsächlich hatten mir zwei mutige Leserinnen eine E-Mail geschrieben. Sie wollten wissen, wie die Geschichte an der Tankstelle weitergeht.
Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Beim Veröffentlichen einer Geschichte schickt man seine Figuren hinaus in die Welt, ohne zu wissen, ob ihnen dort überhaupt jemand begegnet.
Man drückt auf „Veröffentlichen“ – und dann?
Vielleicht liest jemand mit angehaltenem Atem weiter.
Vielleicht muss jemand lachen.
Vielleicht schließt jemand die Seite nach drei Sätzen wieder.
Oder die Geschichte verschwindet einfach im digitalen Nirgendwo.
Deshalb bedeutet mir jede Reaktion so viel. Sie zeigt mir, dass meine Worte am anderen Ende tatsächlich jemanden erreicht haben.
Vielen lieben Dank dafür. 😊
Pete konnte dort schließlich nicht ewig stehen bleiben
Und natürlich war euer Wunsch mir Befehl.
Schließlich hatte ich Pete ziemlich unfair an einer verlassenen Tankstelle zurückgelassen.
Vor ihm stand sein Auto mit geöffneter Fahrertür und laufendem Motor. Hinter ihm zeigte der Spiegel eine verletzte Gestalt mit einem Schraubenschlüssel in der Hand.
Eine Gestalt, die Pete verdächtig ähnlich sah.
Bis zum Winter konnte ich ihn dort wohl kaum stehen lassen. 😉
Deshalb geht „Die Tankstelle“ weiter.
Ob Pete darüber froh sein wird, ist allerdings eine andere Frage.
Falls ihr den Anfang noch nicht kennt, solltet ihr zuerst hier einsteigen:
Und wenn ihr gemeinsam mit Pete bereits vor dem unheimlichen Spiegel steht, geht es hier direkt weiter:
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.
Und vielleicht denkt ihr beim nächsten offenen Ende daran: Während ihr ungeduldig auf die Fortsetzung wartet, sitzt irgendwo eine Autorin bei 38 Grad unter dem Dach und versucht verzweifelt, ihre Figuren aus der Klemme zu schreiben. 😉
Habt ihr einen festen Ort oder ein bestimmtes Ritual zum Lesen, Schreiben oder Kreativsein? Und was bringt euch dabei zuverlässig aus dem Takt?
Schreibt es mir gern in die Kommentare.
Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur
Eure Schreibfeder aus Thüringen
