
Auf Figurenbesuch in Dresden – und plötzlich waren alle Koffer verdächtig
Erstmals im Schreibfeder-Kanal am 28. August und 1. September 2026 veröffentlicht.
Hallo aus meiner Schreibstube,
meine damaligen Gründungsfedern hatten natürlich ein Mitbestimmungsrecht.
Deshalb wollte ich von ihnen wissen, wo sie meine Geschichten am liebsten lesen:
direkt im WhatsApp-Kanal oder in größerer Schrift im Schreibstübchen?
Das Ergebnis war einmal mehr ausgesprochen eindeutig:
Den meisten war beides recht. 😄
Also gut. Wenn den Leserinnen und Lesern beides recht ist, bekommen sie natürlich auch beides.
So konnte jede und jeder selbst entscheiden, wo es sich angenehmer liest. Gleichzeitig hatten auch die Menschen, die zunächst nur neugierig über den Gartenzaun schauten, die Möglichkeit, meine Geschichten kennenzulernen.
Denn offenbar gibt es immer wieder ein paar Zaungäste, die erst einmal prüfen möchten, ob sie sich zu uns Federn gesellen wollen. 😉
Inzwischen haben die verschiedenen Räume meiner Homepage ihre eigenen Aufgaben bekommen: Die Geschichten wohnen im Schreibstübchen, während meine Gedanken, früheren Kanalbeiträge und Blicke hinter die Kulissen nach und nach in den Blog gezogen sind.
Ein Koffer, der nicht der eigene ist
Bevor mein Mann und ich uns damals auf den Weg nach Dresden machten, nahm ich meine Kanallesenden noch auf eine kleine Reise mit:
Stellt euch vor, ihr kommt nach vierzehn Stunden endlich aus dem Urlaub zurück.
Die Heimreise war chaotisch, ihr seid erschöpft und einfach nur froh, wieder zu Hause zu sein.
Dann öffnet ihr euren Koffer und stellt fest:
Es ist gar nicht euer Koffer.
Darin liegen fremde Sachen, die euch merkwürdigerweise sogar passen würden.
Und dann findet ihr etwas, das unmöglich dort auf euch gewartet haben kann.
Ein Bündel Geld?
Ein geheimnisvolles Medaillon?
Oder etwas noch viel Verrückteres?
So begann die Geschichte „Der Koffer, der mich kannte“.
Doch bevor ich sie weitererzählen konnte, musste ich zunächst selbst verreisen.
Zu Besuch bei einer Figur, die es gar nicht gibt
Unser Weg führte nach Dresden.
Natürlich waren wir nicht nur zum Vergnügen dort. Wenn man eine Familie über Monate begleitet, schleichen sich ihre Geschichten irgendwann auch in die eigenen Ausflüge. 😉
Jonas, eine der Hauptfiguren meines Romans, lebt inzwischen in Dresden.
Weit genug von Erfurt entfernt, um sich ein eigenes Leben aufzubauen – und doch nicht weit genug, um wirklich Abstand zu dem zu bekommen, was zu Hause passiert ist.
Bis zu diesem Wochenende kannte ich seine Wohnung, seine Straße und seine Umgebung nur aus meiner Vorstellung.
Dann fand ich sein Haus.
Manchmal gibt es beim Schreiben diesen einen Moment, in dem etwas, das vorher nur im Kopf existierte, plötzlich ganz selbstverständlich vor einem liegt.
Ich stand dort, sah das Gebäude und dachte:
Ja. Genau hier wohnt Jonas.
Seitdem weiß ich, wie seine Nachbarschaft aussieht. Was er sieht, wenn er vor die Tür tritt. Welche Häuser gegenüberstehen und welchen Weg er morgens nimmt.
Natürlich lebt Jonas dort nicht wirklich.
Und trotzdem fühlte es sich in diesem Augenblick ein kleines bisschen so an, als hätte ich ihn besucht.
Dresden war plötzlich nicht mehr nur der Ort, an den ich ihn in meinem Manuskript geschickt hatte.
Es war jetzt ein Teil seiner Geschichte.
Wenn beim Hotelfrühstück das Kopfkino anspringt
Am nächsten Morgen saßen wir beim Frühstück im Hotel.
Während ich meinen Kaffee trank, beobachtete ich ständig die Menschen beim Auschecken.
Sie schoben ihre Koffer durch die Eingangshalle, stellten Taschen ab und verschwanden kurz darauf durch die Tür.
Und ich fragte mich:
Was haben die wohl in ihrem Gepäck?
Ei, ei, ei. 😳
Meine Fantasie lief auf Hochtouren.
Einige Menschen sahen vollkommen harmlos aus.
Bei anderen versuchte ich irgendwann nur noch, mein Kopfkino mit einem kleinen inneren Mantra auszuschalten:
„Kleine süße Hundebabys. Kleine süße Hundebabys. Kleine süße Hundebabys.“
Das war bei manchen Gestalten wirklich das Einzige, was noch half. 😂
Offenbar ist es keine besonders gute Idee, eine Geschichte über einen vertauschten Koffer zu schreiben und anschließend ein Wochenende in einem Hotel zu verbringen.
Wobei …
für eine Autorin vielleicht doch. 😏
Geschichten verändern den Blick auf die Wirklichkeit
Seit ich schreibe, sehe ich viele Dinge anders.
Ein Haus ist nicht mehr nur ein Haus. Es könnte das Zuhause einer Figur sein.
Ein Mensch am Nachbartisch ist nicht einfach ein Hotelgast. Vielleicht verbirgt sich hinter seinem mürrischen Blick eine Geschichte.
Und ein Koffer ist schon lange kein gewöhnliches Gepäckstück mehr.
Vielleicht enthält er nur Kleidung, Zahnbürste und Ladekabel.
Vielleicht aber auch eine Vergangenheit, die jemand sehr lange verschwiegen hat.
Während ich beim Frühstück fremde Koffer beobachtete, wartete zu Hause bereits Lauras Koffer auf mich.
Inzwischen war ziemlich sicher, dass sein Inhalt nicht zufällig bei ihr gelandet war.
Damit war klar:
Die Geschichte musste weitergehen.
Falls ihr Laura von Anfang an begleiten möchtet, beginnt hier:
Und wer bereits weiß, welche Dinge Laura in dem fremden Koffer entdeckt hat, findet hier die Fortsetzung:
„Der Koffer, der mich kannte Teil 2"
Habt ihr schon einmal den falschen Koffer oder eine fremde Tasche mitgenommen? Oder fragt ihr euch ebenfalls manchmal, welche Geschichten andere Menschen in ihrem Gepäck mit sich herumtragen?
Schreibt es mir gern in die Kommentare.
Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur
Eure Schreibfeder aus Thüringen
