
Erreichbar – aber nicht verfügbar
Hallo ihr Lieben,
ich bin immer noch an der Ostsee – und heute Abend auf dem Konzert von Santiano. Vielleicht ergibt sich ja wieder die Gelegenheit, euch ein paar Eindrücke live zu schicken. Am Sonntag geht es dann endlich zurück in meine Schreibstube.
In den letzten Tagen habe ich mir einige Gedanken über das Thema Erreichbarkeit gemacht.
In meinem beruflichen Alltag ist mein Handy tagsüber selten still. Ich muss sogar gestehen, dass ich es in den ersten Urlaubstagen immer wieder pingen oder klingeln hörte – obwohl es längst ausgeschaltet war.
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und genieße die Ruhe.
Hier auf Rügen habe ich mal Zeit, viele Menschen zu beobachten. Dabei ist mir aufgefallen, dass gefühlt jeder Zweite mit seinem Handy beschäftigt ist. Sogar beim Essen, wenn eigentlich Paar- oder Familienzeit sein könnte, schaut immer wieder jemand aufs Display.
Woran liegt das?
Sind wir mittlerweile solche Handy-Junkies geworden, dass wir ohne dieses kleine Gerät gar nicht mehr wissen, was wir mit uns anfangen sollen?
Seit Dienstag machen wir deshalb ein kleines Experiment:
Handyverbot am Frühstückstisch.
Und bevor ich jetzt so tue, als wäre das für mich überhaupt kein Problem: Es fiel uns allen gleichermaßen schwer. ;-)
Besonders interessant wurde es nämlich immer dann, wenn während des Frühstücks irgendeine Frage auftauchte.
Wann hat dieses oder jenes geöffnet?
Wie wird heute das Wetter?
Wo könnten wir hinfahren?
Was war das noch mal?
Normalerweise dauert es ungefähr drei Sekunden, bis einer von uns zum Handy greift:
„Warte, ich gucke schnell.“
Und plötzlich saßen wir da und mussten mit der schrecklichen Ungewissheit leben, eine Antwort nicht sofort zu bekommen.
Oder miteinander darüber reden.
Ganz ohne Google.
Dabei habe ich eine überraschende Entdeckung gemacht:
Wenn man das Handy weglegt, muss man sich tatsächlich mit seiner Familie beschäftigen.
Und was soll ich sagen?
Die scheinen ganz nett zu sein.
Gut, manchmal auch ein bisschen anstrengend. Aber das gehört wohl dazu.
Natürlich weiß ich nicht, warum die anderen Menschen auf ihre Handys schauen. Vielleicht beantworten sie gerade eine wichtige Nachricht, suchen den nächsten Ausflug oder schicken ihrer Familie ein Urlaubsfoto. Schließlich möchte ich euch heute Abend selbst ein paar Eindrücke vom Konzert senden.
Das Handy verbindet uns ja auch miteinander.
Schwierig wird es wohl erst dann, wenn wir zwar für alle erreichbar sind – aber für den Menschen neben uns nicht mehr richtig anwesend.
Wird heute wirklich von uns erwartet, ständig erreichbar zu sein?
Nur weil ich jemandem eine Nachricht schreibe und frage, wie es ihm geht, bedeutet das doch nicht automatisch, dass ich in diesem Moment auch Zeit für ein stundenlanges Telefonat habe. Oder dass ich anschließend gebannt aufs Handy starre, auf die Antwort warte und innerhalb von zehn Sekunden zurückschreiben muss.
Vielleicht wollte ich mit meiner Nachricht einfach nur sagen:
„Hey, ich habe gerade an dich gedacht.“
Also schreibe ich demnächst nicht mehr:
„Huhu, wie geht’s dir denn?“
Sondern:
„Huhu, eigentlich wollte ich dich fragen, wie es dir geht, weil ich gerade an dich gedacht habe. Ich habe heute einen sehr stressigen Tag vor mir. Erwarte deshalb bitte nicht, dass ich sofort antworte, falls du diese Nachricht innerhalb der nächsten zehn Sekunden liest. Natürlich möchte ich trotzdem wirklich wissen, wie es dir geht. Sonst hätte ich ja nicht gefragt. Vielleicht können wir später telefonieren.“
Okay. Das ist absurd.
Und dann sind da noch die zwei blauen Häkchen.
Eigentlich sagen sie nur: Die Nachricht wurde gelesen.
In unserem Kopf bedeuten sie aber manchmal:
„Du hast meine Nachricht gelesen. Warum antwortest du mir dann nicht?“
Genau aus diesem Grund habe ich die blauen Häkchen bei mir ausgeschaltet. Nicht, weil ich heimlich Nachrichten lesen und Menschen ignorieren möchte, sondern weil ich diesen Erwartungsdruck nicht mag.
Denn gelesen bedeutet nicht automatisch:
Ich habe gerade Zeit, Ruhe und die passenden Worte für eine Antwort.
Drehe ich den Spieß einmal um: Was ist denn, wenn ich in den nächsten zehn Sekunden keine Antwort auf meine Frage bekomme? Oder wenn ich hier gar keine Reaktion auf meine Beiträge erhalte?
Muss ich dann davon ausgehen, dass ihr böse mit mir seid und ich mir nun Gedanken über mein Fehlverhalten machen muss?
Oder noch viel schlimmer: Ihr habt gar keine Lust mehr, meine Texte zu lesen? ;-)
Natürlich könnte ich auch einfach davon ausgehen, dass ihr gerade keine Zeit habt. Oder dass ihr meinen Beitrag zwar gelesen habt, aber im selben Moment das Essen überkochte, das Telefon klingelte oder eine Katze der Meinung war, genau jetzt über die Tastatur laufen zu müssen.
Eine Nachricht ist schließlich keine Vorladung – und die blauen Häkchen sind keine Stoppuhr.
Vielleicht müssen wir wieder lernen, dass erreichbar zu sein nicht automatisch bedeutet, jederzeit verfügbar sein zu müssen.
Manchmal heißt eine Nachricht wirklich nur:
„Hey, ich habe gerade an dich gedacht.“
Und die Antwort darf auch ein paar Stunden später kommen.
Wie geht ihr damit um? Habt ihr die blauen Häkchen eingeschaltet? Und werdet ihr nervös, wenn jemand eure Nachricht gelesen hat, aber nicht sofort antwortet?
Und noch viel wichtiger: Würdet ihr ein Handyverbot am Frühstückstisch durchhalten? 😁
Schreibt es mir doch hier in die Kommentare. Ich würde mich sehr freuen.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende mit ganz viel Zeit für die Menschen neben euch.
Ich bin heute Abend vielleicht erreichbar – aber während Santiano spielt ganz bestimmt nicht verfügbar.
Eure Schreibfeder aus Thüringen
– heute mit Ostseewind in den Federn

Hallo, Geli 👩🏻
Erreichbarkeit, ein sehr komplexes Thema 😉
Es ist ja tatsächlich so, das man im Urlaub oder auf Ausflügen die Menschen nur am Handy daddeln sieht, selbst am Esstisch, wo ich dann nur mit dem Kopf schütteln kann 🤔
Ich frage mich dann immer: Haben die keinen Gesprächsstoff mehr miteinander, oder bekommen die überhaupt mit, was sie auf ihrem Teller haben? 😅
Ich persönlich finde die Zeit dafür zu schade und benutze das Handy selbst zum fotografieren kaum noch im Urlaub, weil es mir zu lästig geworden ist, das Handy ständig rauszukramen 😂. Ich sauge alles auf und speichere es in meinen Erinnerungen 😊
Was Erreichbarkeit zu Hause betrifft … manchmal habe ich mich auch gefragt, warum Leute Zeit haben, Nachrichten zu lesen, aber keine Zeit haben zu antworten 🤔
Im Laufe der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, warten zu müssen, manchmal auch tagelang, z. B. bei unseren Töchtern, weil die jungen Leute immer im Stress sind oder Ähnliches 😅.
Dann gibt es noch die, die Nachrichten lesen und vergessen, später zu antworten, oder die, die antworten, aber vergessen, es zu senden 😂
Alles legitim, da mir das alles selber schon passiert ist 😅
Die Gesellschaft hat sich so oder so leider viel zu abhängig gemacht von Handy und Technik und das ist schade!
Zu meinem Freundeskreis gehört jemand, die mit modernem Handy gar nichts anfangen kann und nur eins zum Telefonieren und SMS-Schreiben hat.
Jetzt halt dich fest 😅 … wenn wir uns länger nicht sehen, schreiben wir uns, so richtig auf Papier und Briefmarke 😊
Was soll ich dir sagen, sie lebt, glaube ich, ruhiger.