
Künstliche Stimmen, 290 Fotos und ein neuer Buchtitel
Hallo aus meiner Schreibstube,
langsam hat mich der Alltag wieder. Ich arbeite auch wieder und mein „Sixpack“ hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass noch jemand in seinem Zuhause lebt.
Ganz besonders Lucy Schreck, die ohnehin vor allem und jedem davonläuft, musste sich erst wieder daran erinnern, dass sie vor mir und meinem Mann nicht weglaufen muss.
Ja, ich weiß: Der Esel nennt sich immer zuletzt.
Mmmhhh … lassen wir das.
Zwei wirklich nette Menschen – oder etwa doch nicht?
Am Dienstag gab es in meinem WhatsApp-Kanal einen Podcast von zwei wirklich netten Menschen zu hören.
Oder etwa doch nicht?
Eigentlich wollte ich nur ausprobieren, was passiert, wenn ich meinen Beitrag über die Frau im grünen Häkelrock einer KI zu lesen gebe.
Ihr erinnert euch vielleicht:
Grüner Häkelrock, lila Pullover, rotes Unterhemd, weiße Strickjacke und Wollstulpen – einzeln betrachtet haben die Kleidungsstücke vermutlich nie damit gerechnet, gemeinsam das Haus zu verlassen.
Die Frau trug das Ganze jedoch so selbstverständlich, dass daraus ein vollkommen stimmiger Hiddensee-Inselstil wurde.
Mein erster Gedanke damals?
„Hat der Kleiderschrank heute Morgen gewürfelt?“
Nicht besonders nett.
Später wurde mir klar, dass vielleicht gar nicht ihr Outfit der Fehler gewesen war, sondern mein vorschnelles Urteil darüber.
Diesen Beitrag habe ich in ein KI-Programm geladen, das aus Texten einen Podcast erstellen kann. Zwei künstlich erzeugte Stimmen unterhalten sich dabei über den Inhalt – mit erstaunlich natürlichen Pausen, kleinen Einwürfen und gegenseitiger Zustimmung.
Also klickte ich auf „Erstellen“ und wartete.
Und wartete.
Und wartete noch ein bisschen.
Das Ergebnis war ein fast 25 Minuten langer Podcast, den ihr euch gerne im Hörstübchen auf meiner Homepage anhören könnt.
Aus meinem grünen Häkelrock war plötzlich eine ausführliche Abhandlung über Moderegeln, Gruppenzugehörigkeit, kognitive Dissonanz und die psychologischen Folgen vorschneller Urteile geworden.
Ich wollte doch nur über einen Häkelrock sprechen.
Die KI hingegen eröffnete beinahe ein philosophisches Institut. 😄
Trotzdem war ich beeindruckt. Die beiden Stimmen klangen erstaunlich echt, griffen meinen Humor auf und bezeichneten einen auffälligen Pullover unter anderem als „visuelle Ruhestörung“.
An anderen Stellen schoss die KI allerdings ein wenig über das Ziel hinaus. Sie behauptete beispielsweise, ich hätte mich für meinen ersten Gedanken „regelrecht geschämt“, und bezeichnete ihn sogar als „fast schon elitär“.
So weit würde ich nun doch nicht gehen.
Ich hatte einen vorschnellen und nicht besonders netten Gedanken. Das passiert vermutlich jedem von uns. Entscheidend ist doch, ob wir ihn einfach stehen lassen oder noch einmal genauer hinsehen.
Keine psychologische Vorlesung, bitte
Also startete ich einen zweiten Versuch.
Diesmal bat ich ausdrücklich um eine kurze Zusammenfassung. Keine psychologische Vorlesung. Keine 25 Minuten. Einfach ein lockeres Gespräch über den grünen Häkelrock, meinen ersten Gedanken und die Erkenntnis, dass nicht alles falsch ist, nur weil ich es selbst anders machen würde.
Herausgekommen ist ein Podcast von vier Minuten und vierzig Sekunden.
Das war dann die Version, die es am Dienstag in meinem Kanal auf die Ohren gab. 😉
Da erzählt doch tatsächlich einer der KI-Moderatoren von einer grellorangenen Cordhose, in der er wie eine verirrte Verkehrspylone ausgesehen habe.
Eine schöne Geschichte.
Sie ist nur nie passiert.
Schließlich hat der Moderator weder eine Cordhose noch Beine. 😉
Und genau das macht dieses Experiment für mich so spannend: Die KI kann aus einem Text etwas erstaunlich Lebendiges erschaffen. Sie erkennt Zusammenhänge, greift den Humor auf und entwickelt Gedanken weiter.
Aber sie schmückt eben auch aus.
Manchmal ein bisschen.
Manchmal mit einer orangefarbenen Cordhose.
Und manchmal macht sie aus einem einzigen vorschnellen Gedanken beinahe eine charakterliche Grundsatzfrage.
Vielleicht steckt deshalb auch in diesem Experiment wieder ein HELFER im FEHLER:
Die Technik kann mich unterstützen, mir neue Blickwinkel zeigen und meinen Text sogar zum Sprechen bringen. Aber sie nimmt mir nicht die Verantwortung ab, genau hinzuhören und selbst zu entscheiden, was wirklich zu mir gehört.
Und ja: Ich benutze KI
Sie kann mir neue Programme erklären, meine Rechtschreibfehler korrigieren und sogar meine Texte in absatzfreundliche WhatsApp-Beiträge verwandeln, damit beim Kopieren nicht plötzlich alles dicht an dicht steht.
Sie kann mir Vorschläge machen, meine Gedanken sortieren und mich auf Stellen hinweisen, an denen ich mich sprachlich verheddert habe.
Aber sie kann nicht meine Geschichten schreiben.
Sie war nicht mit mir auf Hiddensee. Sie hat die Frau im grünen Häkelrock nicht gesehen, kennt meine Katzen nicht persönlich und hat mein Leben nicht gelebt. Sie kann nur mit dem arbeiten, was ich ihr erzähle.
Aus ein paar Stichworten irgendeinen Text bauen?
Ja.
Einen glaubwürdigen Beitrag aus meinem Leben ganz allein schreiben?
Nein.
Gott sei Dank. 😉
Ich für meinen Teil bin offen für Neues und finde die Möglichkeiten, die es inzwischen gibt, unglaublich spannend. Aber am Ende entscheide immer noch ich, was zu mir gehört – und welche orangefarbene Cordhose draußen bleiben muss.
Habt ihr beim Anhören gemerkt, dass sich dort keine zwei echten Menschen unterhalten?
Und wie ist das bei euch?
Faszinieren euch solche Möglichkeiten – oder findet ihr es eher ein bisschen unheimlich, wie echt künstliche Stimmen inzwischen klingen?
Zurück an den Schreibtisch
Da ich eine Woche Urlaub gemacht und in dieser Zeit nicht wirklich geschrieben habe, muss ich jetzt erst einmal wieder ein paar Geschichten zu Papier bringen.
Und ich glaube, ich bin da etwas richtig Gutem auf der Spur. 😉
Die Fotos von meinem persönlichen Fotoshooting sind übrigens ebenfalls fertig.
Und ich muss an dieser Stelle noch einmal etwas klarstellen: Philine hat fast 800-mal auf den Auslöser gedrückt. Daraus sind knapp 290 Bilder entstanden.
Was soll ich sagen?
Für jemanden, der bisher vielleicht zehn Fotos von sich besitzt, ist das ein bemerkenswerter Sprung. 😄
Meine Homepage wird in den nächsten Tagen also noch ein Stück persönlicher. Ihr werdet mich hier künftig häufiger zu Gesicht bekommen – ob ihr wollt oder nicht. 😉
Mein Roman bekommt einen neuen Titel
Wer ab und zu in meinem Blog vorbeischaut, hat bestimmt schon mitbekommen, dass ich mich von meinem bisherigen Buchtitel „Wenn Blüten fallen“ verabschieden musste. Es gibt bereits einen sehr ähnlichen Titel.
Ein bisschen schade ist das schon, denn der Titel hatte es sich in meinem Kopf bereits ziemlich gemütlich gemacht.
Aber inzwischen steht fest, wie mein Roman stattdessen heißen soll:
„Wenn Brüder gehen“
Und hier brauche ich eure Hilfe – und eure ganz ehrliche Meinung.
Das hier ist die aktuelle Logline meines Romans, also die gesamte Geschichte in einem einzigen Satz:
Nach dem plötzlichen Tod seines vierzehnjährigen Bruders läuft ausgerechnet der sonst so zuverlässige Jonas vor seiner Familie und seiner Schuld davon – und muss erkennen, dass er auf der Flucht vor seiner Trauer ausgerechnet das zu verlieren droht, was ihm noch geblieben ist.
Mich interessiert nicht, ob ihr nett zu mir seid. 😄
Mich interessiert, ob dieser eine Satz euch neugierig macht.
Funktionieren Titel und Logline für euch zusammen?
Macht die Logline neugierig genug auf den Roman?
Ist der Titel stark genug, um im Gedächtnis zu bleiben?
Und was löst „Wenn Brüder gehen“ ganz spontan bei euch aus?
Schreibt mir eure ehrliche Meinung gerne unten in die Kommentare. Je mehr Rückmeldungen ich bekomme, desto besser kann ich einschätzen, ob Titel und Logline meine Geschichte wirklich auf den Punkt bringen – oder ob ich noch einmal ran muss. 😉
Geschichten schreiben, Fotos sortieren, künstlichen Stimmen zuhören und einen neuen Buchtitel finden – langweilig wird es in meiner Schreibstube offenbar so schnell nicht.
Eure Schreibfeder aus Thüringen
Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur
