
Mimikry – oder: Wenn Gismo plötzlich Löwe spielt
Hallo aus meiner Schreibstube,

Stellt euch vor:
Da sitzt meine kleine Gismo. Nicht gerade das Tier, bei dem man spontan an „König der Savanne“ denkt. Auch wenn ihr eigenes Selbstbild davon deutlich abweicht.
Und dann macht sie das Maul auf – und es ertönt ein ausgewachsenes Löwengebrüll.
Okay. Bei Gismo wäre das natürlich geschummelt. 😄 Aber die Idee dahinter kommt einer Form von Mimikry ziemlich nahe.
Dabei ähnelt ein harmloses Tier einem anderen, vor dem seine Fressfeinde lieber Abstand halten. Frei übersetzt:
„Ich sehe aus wie jemand, mit dem du dich besser nicht anlegst. Also lass mich in Ruhe.“
Manche Schwebfliegen zum Beispiel sehen mit ihren gelb-schwarzen Streifen verdächtig nach Wespe aus. Einen Stachel haben sie nicht. Aber das muss der hungrige Vogel ja nicht wissen.
Ziemlich clever eigentlich. Gefährlich aussehen und dadurch hoffentlich nicht zum Mittagessen werden.
Aber der Gedanke lässt mich auch beim Schreiben nicht los.
Unsere Figuren zeigen nach außen oft etwas anderes, als in ihnen steckt: Stärke statt Angst. Gleichgültigkeit statt Verletzlichkeit. Ein Lächeln, obwohl ihnen eigentlich zum Heulen ist.
Im übertragenen Sinn könnte man darin eine menschliche Variante sehen. Manchmal schützt uns das, was andere in uns zu erkennen glauben.
Und manchmal verbirgt sich hinter einer vertrauten Fassade etwas, mit dem niemand gerechnet hätte.
Dazu habe ich euch heute eine Geschichte mitgebracht: „Die Witwe“.
Eure Schreibfeder aus Thüringen
