Zwischen Sternschnuppen und einer verlassenen Tankstelle

Erstmals im Schreibfeder-Kanal veröffentlicht am 14. August 2026.

Hallo aus meiner Schreibstube,

was war denn da los?

Bei meiner damaligen Umfrage hatte tatsächlich niemand für „Gefühl & Familie“ gestimmt. Wo waren sie denn alle hin – die Gefühlsmenschen, Familiengeschichten-Liebenden und heimlichen Romantiker? 😉

Dabei schrieb ausgerechnet ich an einem Familienroman.

Vielleicht hätte ich doch zuerst mit meinem Thüringen-Krimi anfangen sollen. Dessen Hauptfiguren Pete und Clara waren allerdings gerade erst in ihre erste gemeinsame Wohnung gezogen – wie ihr in der Geschichte „Ich schwöre, das war ich nicht!“ lesen konntet.

Bevor die beiden ihren ersten Mordfall lösen, mussten sie zunächst dafür sorgen, dass ihr Goldfisch die Katze unter dem Bett überlebt. 😂

Andererseits sagt man mir ja nach, ich sei stellenweise ein wenig zynisch. Daher liegt es mir vermutlich tatsächlich weniger, so richtig romantische Geschichten zu schreiben – oder zu lesen.

Beim Schreiben bin ich mir außerdem nie sicher, ob ich meine Figuren nun richtig zur Sache kommen lassen oder lieber rechtzeitig die Schlafzimmertür schließen soll, damit aus der Liebesgeschichte keine Schmuddelgeschichte wird.

Ich bin sicher, ihr wisst, was ich meine. 😉

Besonders interessant fand ich allerdings, dass ausgerechnet „Überrasch mich!“ bei der Umfrage ganz vorn lag.

Und überrascht habt ihr damit vor allem mich.

Schwer bewaffnet unter dem Sternenhimmel

Einige Tage zuvor hatte ich im Kanal auf die Perseiden hingewiesen. In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen sie jedes Jahr ihren Höhepunkt und schicken besonders viele Sternschnuppen über den Himmel.

Also schlich ich am Donnerstagmorgen um 2.30 Uhr schwer bewaffnet in den Garten.

Ich fürchte mich nämlich im Dunkeln.

Deshalb hatte ich eine Taschenlampe, die Handytaschenlampe und natürlich einen Kaffee dabei. Man muss schließlich auf alle Gefahren vorbereitet sein. Und auf Müdigkeit. 😉

Dann legte ich mich in den Liegestuhl und schaute in den Himmel.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen, die uns vorausgegangen sind, uns mit den Sternschnuppen zuwinken.

Ein kleiner Gruß, der sagt:

Wir sind noch da. Wir passen auf euch auf.

Bestimmt tun sie das sogar ziemlich oft. Wir bemerken es nur nicht.

Denn mal ehrlich: Wann habt ihr euch zuletzt zwei Stunden lang mitten in der Nacht in den Garten gelegt und einfach nur in den Himmel geschaut?

Ich tat es in dieser Nacht.

Und während ich dort lag und auf die nächste Sternschnuppe wartete, wurde alles, was mich sonst beschäftigte, für einen Moment ein bisschen leiser.

Dabei formte sich in meinem Kopf ein Satz, den ich sofort aufschrieb, als ich wieder im Haus war:

„Vielleicht ist genau das die Aufgabe von Geschichten: Sie lösen unsere Probleme nicht – aber sie schenken uns für einen Moment Abstand davon.“

– Geli, Schreibfeder aus Thüringen

Wenn das eigene Leben vor der Tür warten darf

Genau das hatte ich in dieser Nacht selbst erlebt.

Nichts von dem, was mich vorher beschäftigt hatte, war plötzlich gelöst. Es war noch da und wartete vermutlich geduldig im Haus auf mich.

Aber für diese zwei Stunden war es ein Stück weiter weg.

Da waren nur der dunkle Garten, der Himmel über mir, hin und wieder eine Sternschnuppe – und natürlich die leise Sorge, dass gleich irgendetwas aus dem Gebüsch springt. 😉

Vielleicht liebe ich Geschichten genau deshalb.

Während wir lesen, müssen wir unser eigenes Leben nicht lösen. Wir dürfen es für ein paar Seiten vor der Tür warten lassen. Wir können anderen Menschen folgen, mit ihnen lachen, weinen oder uns gruseln – und danach mit ein bisschen mehr Luft im Kopf zurückkehren.

Geschichten verändern nicht immer die Welt.

Aber manchmal verändern sie für einen Moment unseren Blick auf sie.

Ihr wolltet eine Überraschung

Bei der Umfrage hatten sich die meisten von euch „Überrasch mich!“ oder etwas zum Lachen gewünscht.

Nun ja.

Etwas zum Lachen war es diesmal nicht unbedingt. Aber eine Überraschung hatte ich für euch:

„Die Tankstelle“

Eine verlassene Tankstelle. Eine fremde Frau. Ein Spiegel, der mehr zu zeigen scheint als das eigene Spiegelbild.

Und das ungute Gefühl, dass manche Orte nur darauf warten, dass jemand anhält.

Wenn ihr euer eigenes Leben für ein paar Seiten vor der Tür warten lassen möchtet, geht es hier zum ersten Teil:

„Die Tankstelle – Teil 1“

Aber vielleicht nehmt ihr vorsichtshalber eine Taschenlampe mit. 😉

Wann hat euch eine Geschichte zuletzt alles um euch herum vergessen lassen?

Schreibt es mir gern in die Kommentare.

Mit Tinte im Herzen und einer Katze auf der Tastatur

Eure Schreibfeder aus Thüringen 🪶

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